2025-08-18

Sprachlern-Apps - wie ich sie sehe


Vor ein paar Tagen bin ich auf Facebook auf eine Gruppe für Duolingo-Nutzer gestoßen. Dabei sind mir einige Gedanken zum Thema Sprachlern-Apps gekommen.

In dieser Gruppe sehe ich fast ausschließlich Beiträge, in denen Nutzer fragen, warum ihre Lösungen – vor allem bei Übersetzungsaufgaben – nicht als richtig akzeptiert werden. Es handelt sich dabei um Fragen, die eigentlich ganz grundlegende Grammatik betreffen, also Stoff für Anfänger, wie er in jedem Sprachlehrbuch schon in den allerersten Lektionen erklärt wird. Passende Übungsaufgaben gibt es dort in der Regel gleich dazu. 

Mehrfach habe ich außerdem gelesen, dass die Sätze in der App oft nicht besonders lebensnah seien und kaum dem entsprächen, was man im Alltag tatsächlich sagt.

Das eigentliche Ziel des Sprachenlernens sollte jedoch sein, dass man Dinge lernt, die man im täglichen Leben auch wirklich verwenden kann – und dass man schließlich in der Lage ist, diese selbst anzuwenden, um sich verständlich zu machen. Darin dürften wir uns alle einig sein.

Genau dafür aber sind Sprachlern-Apps meiner Meinung nach nicht geeignet. Sie vermitteln nämlich keine Grammatik.

Solange man jedoch grundlegende Regeln, wie z.B. die der Wortfolge nicht kennt, wird man nicht mal einfache Sätze richtig bilden können.
Und man fühlt sich ständig verwirrt und muss immer wieder Fragen stellen – gerade wie man in der genannten Gruppe sieht - siehe auf dem Bild 👇
Bei dieser Frage geht es ebenso um eine basic Grammatikregel, nämlich dass im Ungarischen nach den Zahlwörtern weder beim Substantiven noch bei den Verben keine Mehrzahl verwendet wird.


Man sollte beim Ungarischen halt zuerst mal die ganze unterschiedliche Logik der Sprache, die speziellen sprachlichen Erscheinungen verstehen, und immer wieder erlärt bekommen.

Eine gute Basis dafür liefert ein Sprachkurs oder Lehrer*in, zumindest anfangs, für eine Weile. Dann am besten ein gutes Lehrbuch nehmen (oder irgendeines, dazu aber ein Grammatikbuch), das sich auch für das Selbststudium eignet, und es systematisch durchzuarbeiten, wobei man gleichzeitig Vokabeln, Redemittel und Grammatik lernt.
Zun den meisten Lehrbüchern gehören Audiostoffe, die bei der richtigen Aussprache helfen.

Es genügt ja nicht, bloß Redemittel auswendig zu lernen – damit kommt man nicht weit. Wirklich lernen und dann anwenden kann man sie nur, wenn man genau versteht, was sie bedeuten und wann man sie benutzt. 
Schritt für Schritt sollte dabei die dazugehörige Grammatik erklärt werden, sodass man die Strukturen nachvollziehen und wirklich verstehen kann. 
Mit einem/einer Lehrer*in als Gesprächspartner*in kann man die Anwendung gleich auch üben. 

Ohne ein systematisch aufgebautes Grundwissen über eine Sprache und ihre Funktionsweise ist es also nicht möglich, eine solide und brauchbare Sprachkompetenz aufzubauen – und genau daran scheitern die Apps.

Ich halte es allerdings durchaus für denkbar, dass ein Muttersprachler des Deutschen beim Erlernen z.B. des Niederländischen guten Nutzen daraus ziehen kann. Denn in dieser Sprachkombination muss man praktisch nur Vokabeln üben, da die beiden Sprachen so ähnlich sind – sie gehören ja bekanntlich derselben Sprachfamilie an.

Da sich die ungarische Sprache jedoch in ihrer gesamten Struktur völlig von allen germanischen und indogermanischen Sprachen unterscheidet, braucht man gerade dieses systematisches Grundwissen, um sie zu erlernen. Und dabei sind zusätzliche Lehrerklärungen beim ganzen, aber zumindest am Anfang des Lernprozesses besonders wichtig.

Natürlich haben Sprachlern-Apps auch ihre Vorteile: Sie stellen einen Grundwortschatz und einige nützliche Redemittel vor, meist inklusive Aussprache, und man kann diese Wörter beliebig oft wiederholen. Praktisch ist außerdem, dass man jederzeit und überall damit lernen und üben kann – auch unterwegs auf dem Handy.
Als Ergänzung zum Lernen mit Lehrbuch und/oder Lehrer können sie also durchaus sinnvoll sein.

Wobei man auch mit den Lehrbüchern ❗vorsichtig ❗sein muss... vor allem mit denen von NichtmuttersprachlerInnen als Autoren, oder eben von KI (!).
Die letzteren gibts es bereits tatsächlich, vor kurzem bin ich über ein solches gestolpert. Wenn man reinschaut, findet man zahlreiche derbe Fehler, die eindeutig auf künstliche Intelligenz hindeuten.
Und die anderen "Werke" zu vielen verschiedenen Sprachen desselben Autors machen das ebenso klar.
Also ich rate von diesen definitiv ab, und ihr solltet euch von ungarischen MuttersprachlerInnen beraten lassen, bevor ihr euch ein Lehrbuch kauft.
Das genannte 👉Buch, und die weiteren KI-Bücher des "Autors":

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Hier findet sich eine Übersicht zu deutschsprachigen ungarischen Lehrbüchern (mit kurzer Beschreibung, inwieweit sie sich zum Selbststudium geeignet sind)

(Link auf dem Bild 👇)


Und 👉 HIER geht es zu weiteren Lehrbüchern und Lehrmaterialien zum Ungarischlernen


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