2026-03-23

Gendern im ungarischen Sprachgebrauch

Manche Ungarischlernende fragen sich vielleicht, ob das für das Deutsche so typische Gendern auch in der ungarischen Sprache vohanden ist...

Eine kurze Antwort darauf ist: Nein.

Ausführlicher siehe hier weiter unten.. 👇

Es ist von der Grammatik bzw. der Wortform auszugehen...:

Im Ungarischen gibt es - im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen - keine grammatischen Geschlechter.

Für die Personalpronomen er / sie / es steht ő.
Die Geschlecht des Subjekts wird also aufgrund des Kontexts klargestellt.

Noch dazu wird meistens sogar das Pronomen ő (wie die anderen Personalpromen auch) weggelassen - es ist immer nur im Satz, wenn das Subjekt betont wird.

Für die deutsche Nachsilbe -in steht die ungarische Nachsilbe -nő an der männlichen Version bei den weiblichen Berufsnamen.
Das ist übrigens ein eigenständiges Wort, heißt: Frau.
Z.B.: tanárnő (Lehrerin), doktornő (Ärztin), színésznő (Schauspielerin), óvónő (Kindergärtnerin), ápolónő (Krankenpflegerin), szakácsnő (Köchin), etc.

Im Gegensatz zum Deutschen wird diese -nő Nachsilbe eher selten angehängt.

In diesen Fällen wird NICHT GEGENDERT, also einfach die standard (=männliche Form) Version verwendet:

bei Berufsnamen, wenn es um die Benennung des Berufs geht.

A postások/tanárok/ápolók keveset keresnek. - Postboten/LehrerInnen/Pflegekräfte verdienen zu wenig. 
A lányom orvos szeretne lenni. - Meine Tochter möchte Ärztin werden.

✅ bei Nationalitäten:

Deutsche/r = német
EngländerIn = angol
etc.

Wenn eine bestimmte Person gemeint ist, sagt man: a német/angol etc. férfi oder nő

 Bei Bezeichnung von Personengruppen, wie

SportlerIn = sportoló
StudentIn = egyetemista (Pl.: = [dt.] die Studierenden = egyetemisták)
SchülerIn = tanuló, diák

Partner / Partnerin
Lebenspartner / Lebenspartnerin
Lebensgefährte / Lebensgefährtin - élettárs

Kranke/r = beteg
MitarbeiterIn = munkatárs
KünstlerIn = művész
RentnerIn = nyugdíjas
MigrantIn = migráns
BürgerIn = állampolgár
EinwohnerIn = lakos
ZuschauerIn = néző
LeserIn = olvasó
Zeuge/Zeugin = tanú
BürgermeisterIn = polgármester
PolizistIn = rendőr
MitbewohnerIn = lakótárs

etc.

✅ Einwohner einer Stadt, wie

die BudapesterInnen = budapestiek

🔛

In den nachfolgenden Fällen WIRD GEGENDERT, das heißt eigentlich nur, dass die eigenständige weibliche Form getrennt verwendet wird:

✅ bei Berufsnamen, wenn es um eine bestimmte Person geht

Beszéltem a lányom tanárjével. - Ich habe mit der Lehrerin meiner Tochter gesprochen.

Szólna a doktornek, hogy egy beteg beszélni szeretne vele? - Könnten Sie bitte der Frau Ärztin sagen, dass ein/Kranke/r sie sprechen möchte?

Az öreg szakács itt lakik a szomszéd házban, van két macskája. - Die alte Köchin wohnt im Haus nebenan, hat zwei Katzen.

 - wenn die Person mit der Berufsbezeichnung angeredet wird:

Doktor, adna egy beutalót a kardiológiára? - Frau Ärztin, würden Sie mir bitte eine Überweisung zur Kardiologie geben?
Tanár, kérem! Írunk holnap dolgozatot? - Frau Lehrerin, schreiben wir morgen einen Test?

Bei den folgenden Personen

Freundin = barátnő
(männl.: Freund = barát)

sógórnő = Schwägerin
(männl.: sógor = Schwager)

Kollegin = kolléganő
(männl.: Kollege = kolléga)

Nachbarin = szomszédasszony (eher bei Älteren oder verheirateten Frauen, denn asszony heißt 'verheiratete Frau'); bei jüngeren sagt man: szomszéd nő, lány = 'die Frau / das Mädel nebenan')
(männl.: Nachbar = szomszéd)

✅ Bei den nachfolgenden Berufen, weil diese Personen meistens eh weiblich sind:

takarítónő - weibliche Reinigungskraft
ápolónő - weibliche Pflegekraft, Krankenschwester (auch: nővér, nette Form: nővérke)
asszisztensnő = Sprechstundenhilfe
szülésznő = Hebamme
védőnő = ca. Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin bzw. Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Pädiatrie bzw. sozialpädagogische Familienhilfe (also so was gibts auf deutschem Sprachgebiet in einer Person nicht).

Man sieht also, dass die zwei Formen (bei weibl.: -in) in der deutschen Sprache  SPRACHgeschichtlich viel tiefer verankert, ein fester Teil der Sprache sind.
Dementsprechend finde ich den Sprung auf das Unterscheiden der beiden Geschlechter einer gemischten Gruppe gar nicht mehr weit, vielmehr logisch und nachvollziehbar.

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